Programm
Bildlichkeit nach KI. Ethische und soziale Dimensionen
10.06.26
Wednesday
HSBI
Department of Design
13:30
Begrüßung am Fachbereich
Tagungseinführung
15:30
Kaffeepause
16:00
KI, KUNST UND AUTORENSCHAFT
In diesem Vortrag geht es um die Frage, ob künstliche Intelligenz (KI) tatsächlich Kunst schaffen kann oder ob es einen wesentlichen „menschlichen Faktor“ bei der Kunstproduktion gibt. Vor dem Hintergrund der wachsenden Fähigkeiten der KI werden traditionelle Konzepte der Kunsttheorie, etwa Autorschaft, neu betrachtet. Es wird argumentiert, dass die Autorschaft eine notwendige Bedingung für Kunst ist, während ästhetische Verantwortung zumindest eine notwendige Bedingung für die Autorschaft an Kunstwerken darstellt. Obwohl KI als ästhetischer Akteur fungieren kann, kann sie keine ästhetische Verantwortung tragen. Daher kann sie weder allein noch in Zusammenarbeit mit Menschen Autorin von Kunstwerken sein. Allerdings ist KI in der Lage „Fake-Art“ zu produzieren, also Objekte, die in ihren wahrnehmbaren Eigenschaften nicht von Kunstwerken zu unterscheiden sind. Der Vortrag schließt mit der Frage, inwieweit sich das massive Auftreten von KI-generierter Fake-Art auf die Kunstpraxis auswirkt.
Prof. Dr. Catrin Misselhorn
Prof. Dr. Catrin Misselhorn ist seit 2019 Philosophieprofessorin an der Georg-August-Universität Göttingen. Zuvor hatte sie den Lehrstuhl für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie an der Uni Stuttgart inne. 2024 wurde sie zum ordentlichen Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen gewählt. Ihre Forschungsgebiete sind Philosophie der KI, Roboter- und Maschinenethik. Sie ist Verfasserin einer Vielzahl internationaler Publikationen in diesem Themenfeld. Auf Deutsch veröffentlichte sie die Bücher:
POST-PHOTOGRAPHIE UND POLITIKEN DER REFERENZ
Eine immer wiederkehrende Sorge bei der Einführung neuer Bildtechnologien ist, dass den Bildern nun nicht mehr zu trauen sei. Das bezieht sich besonders auf den Status fotografischer Bilder, denen qua ihres Spur-Charakters eine wichtige Funktion der Bezeugung zukam. Und es stimmt ja auch: Durch Image Processing leichter manipulierbare digitale Fotografien; fotorealistisches Rendering und neuerdings KI-generierte Bilder erschüttern die Referenzfunktion der Bilder, die aussehen wie Fotografien.
Aber Referenz auf Reales ist komplexer als die einfache Erzählung, dass mit der analogen Fotografie die Referenz auf Reales noch in Ordnung war und nun mit den digitalen Bildern verschiedener Art erschüttert oder gar völlig aufgehoben sei.
POST-PHOTOGRAPHY AND THE POLITICS OF REFERENCE
A recurring concern whenever new imaging technologies are introduced is that images can no longer be trusted. This applies particularly to the status of photographic images, which, by virtue of their trace-like nature, have traditionally served an important function of testimony. And it is true: digital photographs, which are easier to manipulate through image processing; photorealistic rendering, and, more recently, AI-generated images are undermining the referential function of images that look like photographs.
But reference to the real is more complex than the simple narrative that, with analog photography, reference to the real was still intact, whereas with various types of digital images, it has been undermined or even completely abolished.
PROF. DR. JENS SCHRÖTER
Jens Schröter, Prof. Dr., ist seit 2015 Inhaber des Lehrstuhls für Medienwissenschaft an der Universität Bonn. Leitung (zusammen mit Prof. Dr. Anna Echterhölter; PD Dr. Sudmann und Prof. Dr. Alexander Waibel) des VW-Main Grants „How is Artifical Intelligence Changing Science?“ (Start: 1.8.2022, 4 Jahre); Leitung (zusammen mit Dr. Felix Hüttemann) des VW-„Aufbruch“-Projekts „The Computerized Palate. Digital Technologies and the Lower Senses“ (Start 1.4.2025).
Aktuelle Veröffentlichungen: (zusammen mit Andreas Sudmann et al., ed.) Beyond Quantity. Research with Subsymbolic AI, Bielefeld: Transcript 2024; (zusammen mit Christoph Ernst): UFOs. Mediale Sichtungen, Stuttgart: Metzler 2025. (zusammen mit Christoph Ernst, Katerina Krtilova und Andreas Sudmann Hrsg.), Handbuch Medientheorien des 21. Jahrhunderts, Springer, laufend online und in Print: 2026.
Visit www.medienkulturwissenschaft-bonn.de / www.theorie-der-medien.de
WER BRAUCHT DEEP FAKES? GEDANKEN ZU FALSCHMENSCHEN, GRUNDRECHTEN UND KUNST
“Deep Fakes” (DF) ist ein negativ besetzter Begriff und wird v.a. dann benutzt, wenn jemand diese Art von postphotographischen Bildern ablehnt oder ihren Einsatz reguliert. Befürworter:innen nutzen andere Wörter; so sprechen etwa Informatiker:innen, die solche Technologien entwickeln, z.B. von full-body motion captureand motion synthesis, non-rigid 3D reconstruction und speech-driven 3D facial animation. Gerade in der jüngsten Vergangenheit sind DF verstärkt ins Visier öffentlicher Personen gekommen, und sehr spezifische Einschränkungen ihrer Legalität werden diskutiert und umgesetzt. Ein allgemeines Verbot der Technologie wird jedoch weitgehend abgelehnt, häufig mit Verweis darauf, man wolle Künstler:innen nicht einschränken. In diesem Vortrag gebe ich einen kurzen Überblick darüber, welche Interessen und Rechte durch diesen selektiven aktuellen Umgang mit DF geschützt werden sollen. Ich stelle diese Selektivität mit Hilfe von Daniel Dennett’s Konzept der Falschmenschen (counterfeit people) und seinem Argument für ein generelles und strenges Verbot sowie einer Kritik der Einwilligung in Frage. Darauf aufbauend will ich mit dem Publikum Konzeptualisierung und Terminologie aus Ihren Bereichen, die Rechtfertigung über die Kunstfreiheit mit dem Publikum und Alternativen zu DF aus Sicht kreativer Menschen diskutieren.
Prof. Dr. Bettina Berendt
Bettina Berendt arbeitet seit 2019 als Lehrstuhlinhaberin des Fachgebiets Internet und Gesellschaft an der TU Berlin, Direktorin des Weizenbaum-Instituts in Berlin und Gastprofessorin der KU Leuven, Belgien. In aktueller Forschung untersucht sie, wie materielles “Making”, insbesondere in Form von Handschrift und Kalligraphie, in zunehmend digitalisierten Gesellschaften gelernt werden und Menschen zugutekommen kann, u.a. zum Resilienzaufbau, und entdeckt dabei eine Vielzahl weiterer spannender Forschungsfragen für Informatik, Didaktik und Policy. Zu diesen Themen führte sie eine langjährige Beschäftigung mit Data Science und Critical Data Science, mit Schwerpunkten in den Bereichen Privatheit/Datenschutz, Fairness/Nichtdiskriminierung und KI-Ethik, insbesondere im Web und in Texten.
Bis 2019 war Bettina Berendt Professorin in der Forschungsgruppe Deklarative Sprachen und Künstliche Intelligenz am Fachbereich Informatik der KU Leuven, und davor Juniorprofessorin am Institut für Wirtschaftsinformatik der Humboldt-Universität zu Berlin.
Details zu Publikationen, Vorträgen, Projekten, Lehre und anderen Aktivitäten finden Sie auf www.berendt.de/bettina.
DAMS IN THE INFINITE RIVER. THE DEATH AND REBIRTH OF CREA-AI-TIVE OWNERSHIP
Copyright is in trouble. If people can just use AI to mine out creativity, then those with the most computation can own the most IP. Luckily, judges worldwide are denying ownership of AI-generated creativity … without any way of knowing what has been made with AI and what hasn’t. In fact, innovative new forms of infinite and interactive creativity are possible – all of which confound traditional ownership. Yet, just as copyright frameworks worldwide are being confused, artists are arguing for stricter copyright. But would that actually save them, or are they fighting someone else’s battle? Legal scholar, musician and filmmaker Zachary Cooper explains the controversial history of creative ownership and control, exposes the dysfunction of the present moment, and exhibits how powerful legacy rightsholders and historically-valued AI startups are battling it out (and cutting deals) for control over the future of creative production.
Zachary Cooper
Zachary Cooper is a legal scholar, lecturer, musician and filmmaker at the Weizenbaum Institute Berlin and the Amsterdam Law & Technology Institute whose research focuses on the ways that emergent technologies are able to subvert and confound foundational legal tenets. His current research programme explores the techno-regulatory incoherence of applying copyright to emerging forms of Generative AI-enabled media, with an eye to developing new frameworks for creative ownership for the 21st Century.
His interdisciplinary research programme has led to dozens of speaking invitations worldwide in a wide array of settings, including the International Conference of Machine Learning in Vienna, the IP Scholars Conference in Berkeley, the UNESCO AI & Human Rights Conference in Ljubljana, re:publica in Berlin, and at the Summit for the ICC Arrest Warrants Against Israeli & Hamas Leadership in The Hague.
He was recently selected as one of 50 scholars to form the Global Copyright Expert Network in Geneva, a group invited into discussion with the World Intellectual Property Office’s Standing Committee on Copyright and Related Rights to share research and develop policy proposals for copyright reform in the digital age.
He coordinates the “The Law and Ethics of Artificial Intelligence & Robots” course at the Vrije Universiteit Amsterdam, and has guest lectured at George Washington University DC, the Berlin University of the Arts and Newcastle University in Australia.
He served with Silvia De Conca as Co-Editor of the European Journal of Law & Technology as well as Editor-In-Chief of the Amsterdam Law Forum.
His avant-garde band has been lauded as “already the stuff of legend” (Unsound) and “one of the best bands on the planet, completely original” (The Quietus).
His first feature-film “The End of History” won a number of awards worldwide, including the Audience Award at the Fantastic Film Festival.