OVER, UNDER AND IN POST-PHOTOGRAPHIC IMAGES

Nadim Abdalla
Über uns überall

Darius Bange
Architecture of an AI system

Moritz Boskovski
10949

Ricarda Braunst
30 Filter

Paul Düstersiek
Missing Link

Philip Fröhlich
Image Calculations

Miguel Aurelio Gebauer
Urtyp

Jonas Glanz
Post physical realms

Andreas Jon Grote
Vor dem Bild

Jana Sehnert
Linear and Radial Poetics

Bernhard Wiethüchter
Degenerative Photography

Maira Wissing
In Aeon Sand

Yue Qinyi
Björk

Neben der Ausstellung Pre, Present and Post Photographic Images im Stadtraum fanden im Gebäude der Fachbereichs Gestaltung 23 Arbeiten von Studierenden der Hochschule Bielefeld ihren Platz. Unter dem Titel Over, Under and In Post-Photographic Images versammelte die Ausstellung erste Ergebnisse, die in Senimarangeboten im Rahmen des Forschungsprojektes entstanden sind.

Zu sehen war eine breite Varianz von medienreflexiven Arbeiten, die sich mit dem aktuellen Wandel des Bildes durch KI-gestützte Bildgeneratoren befassen und diesen erfahrbar machen.

In der KI-gestützten Bildproduktion werden Bilder auf der Basis von Wahrscheinlichkeiten generiert. Der probabilistischen Bildberechnung liegen Datensätze, das heißt hier enorme Mengen an aus dem Internet und den sozialen Medien abgeschöpften Bildern und Bild-Text-Paaren, zugrunde, an denen die Maschinenmodelle trainiert worden sind. In Jon Grotes Serie Vor dem Bild werden Zwischenzustände einer Bilderzeugung sichtbar, in der das Bild Bedeutung durch Konstruktion statt durch Wiedererkennung erlangt. Die interaktive und mediale Rauminstallation Architecture of an AI System von Darius Bange geht auf die iterativen Lernprozesse eines GAN (Generative Adverserial Networks) zurück. Mittels Touchpad bekamen die Besucher:innen die Möglichkeit, sich in Echtzeit durch den latenten Raum eines Deep-Learning-Modells, das auf die Bildgenerierung hier von Landschaften trainiert wurde, zu bewegen.

Mit weiteren Arbeiten machten Studierende auf das Zusammenspiel digitaler Sehgewohnheiten und physischer Realität aufmerksam. So wird der Blick der Betrachter:innen der Arbeit Digitale Räume der Konnektivität von Miguel Gebauer in scheinbar ins Unendliche führende Räume gezogen. Ricarda Braunst und Paul Düstersiek thematisierten mit ihren Arbeiten hingegen die Veränderung der Selbstwahrnehmung und des Selbstportraits in Zeiten von Filtern und anderen postfotografischen Möglichkeiten der Bildmanipulation. Die ewige Varianz KI-gestützten Bildoutputs verdichtete sich bei Düstersiek zu einer prinzipiell unendlichen, auch stilistischen Vervielfachung des Selbst.

Maira Wissing und Qinyi Yue brachten mit ihren Arbeiten ethische Fragestellungen der KI-gestützten Bildproduktion in die Ausstellung. Mit der medialen Installation Aeon Sand verwies Wissing auf die Ressource Sand als Grundlage für digitale Geräte und Infrastrukturen, während Yue kulturelle Bias des Bildtrainings herausstellte.

Historische Bezüge zur Generativen Fotografie ließen sich in der Arbeit Arndtstraße (53 Jahre) von Marvin Krullmann finden. Krullmann griff dazu die Arndstraße von Gottfried Jäger auf übersetzte sie anhand eines generativen Computerspiels in die Gegenwart.

Der ehemalige Bielefelder Hochschulprofessor Gottfried Jäger brachte 1968 den Begriff der Generativen Fotografie erstmals in den öffentlichen Ausstellungsraum.

Unter anderem in den Ausstellungsbeiträgen von Finley Grimmer, Kevin Kloss, Jana Sehnert und Finn Wisk wurde die generative Bilderzeugung als programmatische Methode der künstlerischen Forschung angewendet. Während Grimmer in seiner filmischen Arbeit explorativ nach ästhetischen Strukturen von chemischen und physikalischen Prozessen sucht, dokumentiert Wisk die Messbarkeit von Wahrscheinlichkeiten an Hand des Würfelspiels. In Sehnerts Linear and Radial Poetics spielen der Eigensinn des fotografischen Materials und die ausführende Hand der Fotografin zusammen. Auf diese Weise wird das Potential poetischer Bildräume untersucht. Im Cinema des Fachbereichs waren am Eröffnungsabend darüber hinaus zwei Videoarbeiten der Studierenden Levin Geller und André Plümer genannt Woistpeter zu sehen.

Neben weiteren studentischen Arbeiten aus dem Bachelor- und Masterstudiengang Gestaltung ist in der Bibliothek der Lampingstraße eine Auswahl an Heften der rot-Reihe präsentiert worden. Die insgesamt 62 quadratischen Hefte, herausgegeben von Max Bense und Elisabeth Walther, später Elisabeth Walther-Bense, wurden im Kontext des Forschungsprojektes antiquarisch erworben und stehen Forschungszwecken zur Verfügung. In Anlehnung an den amerikanischen Linguisten Noam Chomsky bzw. an dessen Theorie der generativen Grammatik, nach der sich auf der Grundlage einer endlichen Menge an Regeln unendlich viele Sätze bilden lassen, prägte Bense den Begriff der generativen Ästhetik. Dieser wurde wiederum von Gottfried Jäger adaptiert.

Die Ausstellung wurde am zweiten Tag der internationalen Tagung Postphotographic Images. Generative Imaging Processes vor dem Tagungspublikum von den Studierenden eröffnet.

Ausstellende: Nadim Abdalla, Darius Bange, Moritz Boskovski, Ricarda Braunst, Paul Düstersiek, Sarah Ebel, Philip Fröhlich, Miguel Aurelio Gebauer, Levin Geller, Jonas Glanz, Finley Grimmer, Andreas Jon Grote, Kevin Kloss, Marvin Krullmann, André Plümer, Jana Sehnert, Moritz Thömmes, Linda Vollmer, Bernhard Wiethüchter, Finn Wisk, Maira Wissing, Qinyi Yue.

26.11.–19.12.25, HSBI Fachbereich Gestaltung

Sarah Ebel
One of Those Days_Dream

Levin Geller
A different perspective on time

Finley Grimmer
Zwischen Algorithmus und Zufall

Kevin Kloss

Linda Vollmer
Der Spiegel

Finn Wisk
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